Es war ein recht kalter Tag – die ersten Züge des nahenden Winters umklammerten die Natur. Tiere froren und Bäume warfen ihr buntes Kleid auf die Erde.
Es roch nach Moos und nassem Geäst. Die halbe Nacht war kühler Nieselregen auf die Erde gefallen und nun lag glänzender Dampf über den Wiesen, Feldern und Wäldern.
Von weitem konnte man einen Maulwurf erkennen, der seine Nase aus dem Bau streckte, schnüffelte und sich schnell wieder
zurückzog, da es ihm anscheinend schon viel zu kalt geworden war.
Mitten in dieser wunderschönen orange-braunen Landschaft wanderte Noëlle umher und bestaunte die Farbenpracht des Herbstes. Sie hatte lange nicht mehr so intensiv gelebt wie an diesem Tage. Alles, was sie umgab, vereinte sich mit ihr in einer außergewöhnlichen Art und Weise, wie sie es noch nie gespürt hatte. Noëlle fühlte sich wohl und genoss ihre Freiheit in der Natur.
Als sie so den Weg entlang schritt und mit ihren Gedanken weit über den Wolken des Himmels war, wurde sie von einem gellenden Schrei aufgeweckt. Es tat ihr so weh, dass sie sich die Ohren abdecken musste. Verwirrt und ängstlich so alleine, schaute sie sich um. Am Wegesrand lang ein großer Vogel mit geknicktem Flügel, der sich im Schlamm wand und ängstlich zu ihr hinaufschaute.
Es war kein junger Vogel, nicht in die Jahre gekommen, aber auch nicht mehr in seiner Blütezeit. Die Augen waren ängstlich, doch tief im Inneren konnte Noëlle Vertrauen entdecken, welches er ihr entgegen brachte. Sie erkannte sein Schreien. Es war ein Flehen nach Geborgenheit und Wärme. Sie konnte sehen, wie schlecht es ihm ging.
Nicht im Entferntesten hätte Noëlle geglaubt, dass dieser prächtig goldene Tag wirklich einer einzigen Fliege etwas zu Leide tun könnte.
Als sie näher an den Vogel herantrat um ihn zu begutachten, versuchte der große Vogel sich zurückzuziehen, doch ihm war es kaum möglich sich zu bewegen. Noëlle erkannte einen markanten gebogenen Schnabel, wunderschöne umrandete Augen, einen schneeweißen Hals und ein geschecktes Gefieder. Sie kannte sich in der Tierwelt kaum aus, aber bewunderte diesen königlichen Greifvogel – denn dies war klar zu erkennen.
Die traurigen Augen des Vogels ergriffen sie zutiefst, sodass sie sich anschickte ihn mit nach Hause zu nehmen. Noëlle war sich nicht sicher, ob man einen Vogel einfach so anfassen durfte, aber da er so aussah, als stände er kurz vor dem Abgrund des Todes, näherte sie sich ihm.
Der Greifvogel machte Anstalten aufzubrechen, aber seine Kraft war schon lange aufgebraucht und er konnte sich kaum noch gegen
den ständig blasenden Wind in seinem Gefieder wehren. Noëlle ging langsam und bedächtig auf ihn zu, um ihn nicht noch mehr zu verängstigen und hob ihn langsam, aber mit sicheren Armen hoch.
Eilig, aber mit vorsichtigen Schritten, damit ihm nichts passierte, machte sie sich auf den Weg in ihr warmes sicheres Zuhause am Rande des Feldes.
Zu Hause angekommen, setzte Noëlle den großen Vogel in ihre Badewanne, damit er sich nicht selbstständig machte um sich noch einmal zu verletzen. Sie sprach behutsam mit dem Vogel um ihn zu beruhigen und damit er Vertrauen schöpfte.
Die Schönheit seiner Ausstrahlung beeindruckte sie. Er strahlte Stolz und Hochmut aus – sie hatte sich vorher nie wirklich für Vögel oder Tiere jeglicher Art interessiert, deshalb war sie so fasziniert von seiner Gestalt.
Noëlle bereitete ihm einen Pappkarton mit weichem Stoff und Zeitungspapier, damit der Falke einen gemütlichen Platz zum
Überwintern bekam und nicht frieren musste. Sie kümmerte sich fürsorglich um ihn und fixierte seinen gebrochenen Flügel wie sie es aus der Welt des Internets befohlen bekam.
Der Falke, den sie liebevoll Eagle getauft hatte, kam schnell wieder zu Kräften und passte sich gut an die Situation an. Er fing an Noëlle zu vertrauen und fraß ihr bald schon aus der Hand. Sie war rund um die Uhr mit ihm beschäftigt, damit er gesund wurde und im Frühling wieder von dannen ziehen konnte.
Der Flügel heilte gut über den Winter und am Anfang des Frühlings fing der Falke an in der Wohnung umher zu flattern, denn draußen hörte er das Frohlocken seiner Artgenossen. Noëlle wusste, dass sie ihn nun gehen lassen musste, und sie wusste, dass er sehr sicher niemals wiederkehren würde, und genau deshalb versuchte sie ihn krampfhaft bei sich zu behalten. Sie erkannte aber rechtzeitig seinen traurigen, sehnsüchtigen Blick nach Freiheit und der Natur des Frühlings.
Noëlle stieß mit einem kraftvollen Schwung die Hintertür ihres kleinen Häuschens auf und gewährte ihrem Falken freie Bahn in die Welt der Vögel. Zaghaft tippelte er aus der Tür, breitete seine Flügel aus und stach kraftvoll und stattlich in die Luft. Noëlle weinte, weil sie ihn nun gehen lassen musste und glaubte nicht an ein Wiedersehen.
Nach einigen Tagen, die Brutzeit der Vögel begann nun langsam, nistete sich plötzlich in der Dachluke ihres Häuschens ein Vogelpärchen ein. Noëlle kletterte leise hinauf, spähte hinein um zu sehen, wen sie da als Untermieter enttarnen konnte, und blickte in das wohlbekannte gefederte Gesicht ihres Falken. Er hatte sie nicht vergessen und war in ihrem unausgesprochenen Versprechen zurückgekehrt.
Noëlle beobachtete nun jeden Tag die Fortschritte der Eier, die
Fürsorglichkeit ihres geliebten „Eagles“ und konnte sich nicht sattsehen.
Goldammer handeln musste.
Sie hatte nicht gewusst, dass es selbst im Verhalten der Vögel so große Unterschiede gab, aber tatsächlich hatte sie bei ihrem zweiten Vogel einen aufgeweckten lebenslustigen Kerl gefunden, den ihr Falke nie gezeigt hatte. Er hatte mehr die dankbare fürsorgliche Rolle gespielt. Noëlle wunderte sich immer mehr über die wundersamen Unikate der Tierwelt und musste sich eingestehen, dass sie sich noch nie so sehr für Biologie oder sonst etwas interessiert hatte.
Ab diesem Tage besuchte der kleine Piepmatz sie jeden Tag und an jedem, an dem er zum offenen Fenster hinein flog, kam er ein Stückchen näher an Noëlle heran. Sie war so vernarrt in dieses kleine Tierchen, das das ganze Zimmer täglich dem Chaos widmete, wenn es herumflog, Blätter aufwirbelte und andere Geschäfte erledigte, dass sie ihren Falken fast komplett vergaß und sich vielmehr um den Spaß mit dem Piepmatz kümmerte.
Nachdem einige Wochen übers Land gegangen waren und Noëlle den Sommer spürte, musste sie plötzlich an den wunderschönen Winter und ihren damals gewonnenen Freund denken. Sie erschrak und eilte hinauf zur Dachluke um nach ihm zu sehen, aber wie sie es sich hätte denken können, war der König unter den Falken nicht mehr bei ihr. Er hatte sie verlassen und sie fühlte sich verraten, da sie sich immer um ihn gekümmert hatte. Gerade, als sie dies dachte, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, dass ein Vogel, der ein Individuum war, wie sie es herausgefunden hatte, vielleicht auch Gefühle spürte. Ihr Falke hatte möglicherweise wochenlang auf sie gewartet und war so enttäuscht gewesen, dass er sich zurückgezogen hatte, damit andere seinen Platz einnehmen konnten. Von einem Greifvogel hatte Noëlle erwartet, dass er seinen natürlichen Feind ganz einfach zerfleischen würde, aber dieses Exemplar hatte nicht darum gekämpft bei ihr zu bleiben, sondern hatte gewartet bis sie selbst darauf kam, was sie tat. Ihr leuchteten diese Gedanken ein und ihre Augen schmerzten, da sie tatsächlich einen Freund, den sie ohne Frage in ihr Herz geschlossen hatte, verloren hatte.
Nach Noëlles Erkenntnis zog sie sich unbemerkt zurück und wanderte wieder alleine durch die Landschaft um sich an der Sommerwelt
zu vergnügen und ihr Herz erfrischen zu lassen. Sie lief weit, aber das merkte sie kaum, da sie sich viele Gedanken machte. Als die Nachmittagssonne anfing sie zu
blenden, wurde Noëlle bewusst, dass sie
keine Ahnung hatte, wo sie sich befand und wie sie wieder zurückgehen sollte. Sie war sich nicht sicher, ob sie
geradeaus oder ein paar Mal um Wälder herum gegangen war. Im Kreise drehend suchte sie einen Anhaltspunkt, den sie wieder erkannte, und weit in der Ferne entdeckte sie die Radaranlage, an der sie
im Herbst letzten Jahres so oft vorbei gegangen war. Schweren Schrittes machte sie sich dorthin auf den Weg um
wieder sicheren Boden unter den Füßen zu haben.
Als Noëlle endlich ankam, war die Sonne schon fast hinterm Horizont verschwunden. Die Landschaft sah aus, als wäre sie in Gold getaucht worden und hätte sich lebendig gemacht. Noëlle konnte nach langem endlich wieder lächeln und genoss die prächtige Umgebung. Sie schaute hoch zur Radaranlage und konnte im Himmel daneben einen großen Vogel kreisen sehen, der sie, wie es schien, ins Visier genommen hatte. Im Sturzflug kam er auf Noëlle zu und ließ sich zu ihren Füßen nieder. Sie erkannte seine stattliche Figur und sein phänomenales Gefieder. Bückend streichelte sie ihm darüber und sah ihm in die vertrauten Augen.
Ab diesem Tage kam Noëlle ihren Falken wieder häufiger
besuchen, da sie bemerkt hatte, dass sie ihn wirklich hatte vereinsamen lassen. Sie mochte die Standhaftigkeit und starke Bindung, die sie spürte, wenn „Eagle“ ihr
eine Maus zu Füßen warf und zu ihr kam, wenn sie ihn besuchte.
Der kleine gelbe Chaosvogel besuchte sie kaum noch, denn er war in die weite Welt herausgeeilt um sich nach anderem Leben zu erkundigen. Sie ließ ihn ziehen und versuchte ihm aus dem Wege zu gehen, wenn er sich mal wieder auf ihrem Küchenfensterbrett platzierte. Denn alles, was sie wollte, war ihren Falken nicht noch einmal im Stich zu lassen, denn sie hatte Sorge, dass er sich in einem, der bald kommenden Herbststürme, wieder verletzen würde. Wäre ihr der quitschgelbe, vergnügte Vogel noch einmal in die Quere gekommen, dann wäre Noëlle sich sicher gewesen, dass ihr Falke im Winter zitternd gestorben wäre, verlassen und ohne sie.
mich tut… Ich wünschte dem Falken würde der gelbe lustige Vogel gefallen, der sich so in Noëlles Leben geschlichen hat. Nebenbei bemerkt hoffe ich, dass ihr auch Kommentare schreibt, wie euch diese Geschichte gefällt. Würde mich sehr freuen… Danke fürs Zuhören“
© by mickyratte



kaum fertig mit deutsch, hatte mir meine mutter eine brühe gemacht aus der ich
eifrig die nudeln herausfischte um sie beim verschlucken lauthals wieder hinaus zu husten. übrig blieb am ende noch die brühe..
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